Die Bücher
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Memetik
Als Historiker bearbeite ich in erster Linie mentalitätsgeschichtliche Themenfelder und bediene mich hierbei als erster deutschsprachiger Historiker der neodarwinistisch geprägten Memetik als Methode. - Denn welcher Ansatz sollte besser geeignet sein zur Erforschung der history of ideas, zur Erforschung der Geschichte der Ideen? Da der Ansatz im deutschsprachigen Raum leider fast unbekannt ist und - wenn überhaupt - nur sehr kritisch aufgenommen wird, habe ich eine grundlegende Einführung zum Thema verfasst: „Memetik. Der Krieg des neuen Replikators gegen den Menschen“ (2001; Neuauflage 2009).
Mein spezielles Augenmerk gilt zurzeit der Erforschung der politischen Religion des Nationalsozialismus. Diese Religion begegnet uns im Nationalsozialismus bereits in ihren Anfängen, eine Religion also noch in statu nascendi, im Status ihrer Geburt. So schrieb etwa Alfred Miller im antisemitischen „Handbuch der Judenfrage“: „Die nationale Revolution des Jahres 1933 hat kein Gebiet des öffentlichen Lebens unberührt gelassen, auch nicht das religiöse ... Und wenn auch die religiöse Revolution noch tief in den Anfängen steckt und allerlei Unreifes und Halbes mit sich schleppt, ... so war doch so gewissermaßen über Nacht die ganze überkommene Substanz des Kirchenwesens in Frage gestellt.“
Das Thema "Politische Religion des Nationalsozialismus" wurde in Deutschland bis in die 90er Jahre links liegen gelassen. Obwohl der Ansatz einen wichtigen Hebel darstellt, sich dem Nationalsozialismus ideengeschichtlich zu nähern, wurde er kaum verfolgt. Prof. Dr. Monika Neugebauer-Wölk von der Universität Halle-Wittenberg hat sich in diesem Artikel die Frage gestellt, warum den Anregungen eines der Pioniere dieses Forschungsgegenstandes, Eric Voegelin, nicht weiter nachgegangen wurde:
"Die Resonanz in der deutschen Politologie aber bleibt begrenzt, und nach Gründen dafür muss man in der Phase, die mit den sechziger Jahren beginnt, nicht suchen. Die Bestimmungsfaktoren historischpolitischer Entwicklung werden sozial- und wirtschaftsgeschichtlich, nicht ideengeschichtlich konzipiert. Voegelins gegen die Logik von Aufklärung und Revolution gerichteter Politikentwurf widerspricht dramatisch dem Zeitgeist bis weit in die achtziger Jahre hinein ..." "... Wenn das falsch war, was war dann mit der 'Gnosis', jener antiken Verbindung von 'Wissen' und Glauben, die für den späteren Voegelin im Mittelpunkt stand? Es gibt nicht einmal den Ansatz einer geschichtswissenschaftlichen Diskussion zu dieser Frage, und man ist versucht zu sagen: Es kann eine solche Diskussion nicht geben. Das Fach ist nicht so organisiert, dass entsprechende Kompetenz entsteht. Was weiß der Zeithistoriker von der Geschichte antiker Religionen und mittelalterlicher Sektenbewegungen, was wissen Historiker der Vormoderne vom Dritten Reich, dass sie sich auf das dünne Eis einer solchen Debatte begeben würden? Historische Forschung ist heute mit großer Konsequenz nach Epochen strukturiert, und chronologisch übergreifende Professuren für Religionsgeschichte gibt es nicht. Man muss gegen die Regeln fachlicher Zuständigkeit verstoßen, wenn man sich diesem Problem zuwenden will."
Wagt man dies, erhält man folgendes Bild über das, was sich da im "Dritten Reich" zusammen braute: Die Entwicklung deutet auf die Fusion zweier uralter und praxiserprobter religionsphilosophischer Strömungen hin: Menschenopferkulte und Gnosis. Das Ergebnis: Ein gnostischer Lichtkult, angefeuert von permanenten Menschenopferungen, motiviert von einer tiefen Sehnsucht nach dem mütterlichen Ursprung. Ich habe den Einzelmodulen dieser denkbaren Synthese jeweils ein Buch gewidmet:
Zur politischen Religion des Nationalsozialismus
In „Das atlantidische Weltbild. Nationalsozialismus und Neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis“ (2001) belege ich die tiefe Sehnsucht nach dem Ursprung anhand der Suche führender Nationalsozialisten und Neuer Rechter nach dem versunkenen Kontinent Atlantis. In dieser Geschichte der Urkulturrezeption dreht sich alles um die todessehnsüchtige Rückkehr zur Mutterimago, in das Urelement, das Wasser.
In „Alfred Schuler, der letzte deutsche Katharer. Nationalsozialismus, Gnosis und mystische Blutleuchte“ (2003) demonstriere ich an einem konkreten Fallbeispiel, der Person des Münchner Mentors von Stefan George, Alfred Schuler, die Renaissance der Gnosis in der Inkubationsphase des Nationalsozialismus. Beherrschendes Leitbild ist hier das Licht, aus dem der Gnostiker zu stammen glaubt, dessen göttlicher Teil er zu sein meint, und in das er wieder einzugehen gedenkt.
In dem dritten Band meiner Reihe über die politische Religion des Nationalsozialismus schließlich beschäftige ich mich mit den Menschenopferungen im Nationalsozialismus. Unter Rekurs auf die vorchristlichen Menschenopferkulte von Germanen, Kelten und Slawen sowie die Opfer der Hexenverfolgungen in Mittelalter und früher Neuzeit versuche ich die Grundidee des Menschenopfers im Nationalsozialismus zu erschließen. Im Mittelpunkt dieser Ausführungen über „Kelten, Hexen, Holocaust. Menschenopfer in Deutschland“ (2004) stehen die Ganzbrandopfer, die holocausta, um einen zeitgenössischen, italienischen Begriff für die Hexenverbrennungen der frühen Neuzeit zu gebrauchen – und damit das Feuer.
Wasser, Licht und Feuer – das sind die Leitthemen unter denen meine bisherige Analyse der politischen Religion des Nationalsozialismus stattgefunden hat. Dem vierten Band der Reihe liegt als Motto der Äther zugrunde, ein geheimnisvolles Element, dass in antiker Philosophie und mittelalterlicher Alchemie eine nicht unerhebliche Rolle spielte und auf die randständigen Elemente der untersuchten religio in statu nascendi verweist: Spiritismus und Okkultismus, festgemacht am Leben Himmlers. Heinrich Himmler nimmt als Reichsführer SS und Herr über die Konzentrationslager für die Exekutive des Massenmords eine ungleich wichtigere Position im Machtgefüge des Systems ein, als sie Hitler inne hatte. Oder um mit den Editioren seines Dienstkalenders, Lohalm/Scheffler, zu sprechen: „Heinrich Himmler, wegen seiner Skurrilität oftmals belächelt und spöttisch der 'Reichsheini‘ genannt, war in Wirklichkeit die prägende Kraft dessen, was den nationalsozialistischen Staat mit seinen Verbrechen aus der modernen Geschichte heraushebt.“ Entsprechend wichtig scheint mir ein Blick auf seine okkulten Motive in „Heinrich Himmler. Deutscher Spiritismus, französischer Okkultismus und der Reichsführer SS“ (2004).
Bei meinen Recherchen für das Himmler-Buch habe ich herausgefunden, dass Himmler 1925 Schriften eines mir bis dahin vollkommen unbekannten Geheimbundes, des "Bundes der Guoten" besaß. Grund genug, sich dieser Organisation anzunehmen. Das Ergebnis der Untersuchung liegt nun als fünfter Band der Serie vor: „Weishaar und der Bund der Guoten: Ariosophie und Kabbala“ (2005). Da der Gründer des ariosophischen Bundes, Kurt Paehlke, der unter dem Decknamen "Weishaar" agierte, zuvor Mitglied im Germanenorden war (dessen Aushängeschild die Thule-Gesellschaft darstellte), lag es nahe, dass er bei Gründung seines eigenen Geheimbundes viele Ideen des Germanenordens adaptiert haben könnte. Da die Quellen über den Germanenorden nicht allzu umfangreich sind, bot sich hier die Chance über die Betrachtung des "Bundes der Guoten" mehr über Geheimbünde als Träger der gnostischen Idee in Erfahrung zu bringen. Und tatsächlich: Auf der Basis der alten jüdischen Geheimlehre der Kabbala entwickelte der Bund Visionen zur Menschenzucht und begann bereits mit deren praktischer Umsetzung.
Neben der Frage nach dem "Bund der Guoten" blieb nach meinen Himmler-Recherchen die Frage nach einem Alchemisten namens "Franz Tausend" offen. Er soll für Himmler versucht haben, Gold künstlich herzustellen. Wie meine Recherchen ergaben, war Tausend tatsächlich in der Lage, über die Erste-Weltkriegslegende General Erich Ludendorff beträchtliche Mittel der jungen NSDAP zufließen zu lassen. Wie schaffte er das? Lesen Sie selbst: „Der Alchemist Franz Tausend. Alchemie und Nationalsozialimus" (2006)!
Bei allen sechs Bänden ist zu beachten, dass sich alle zur politischen Religion des Nationalsozialismus gemachten Aussagen auf die enge Aufgabenstellung einer religionsphilosophischen Untersuchung des Nationalsozialismus beziehen. Eine solche Bewegung kann selbstverständlich nicht monokausal erklärt werden. Hierzu gehören auch sozialhistorische Ursachen, außenpolitische Aspekte, individuelle, psychologische Faktoren etc.
Sonstige Buchpublikationen
Die in dem Buch über "Das atlantidische Weltbild" gewonnen Erkenntnisse habe ich in die zweisprachigen "Interpretationen zu Hermann Hesses 'Der Steppenwolf'" (2001), gemeinsam verfasst mit der Germanistin Eva-Maria Stuckel, einfließen lassen. Populärwissenschaftlich angelegt ist eine lokalhistorische Arbeit über den Daube-Mord, der 1928 reichsweit Aufsehen erregte und unter anderen Theodor Lessing zum Eingreifen bewegte: „Wer tötete Helmut Daube?“ (2001), gemeinsam verfasst mit Sabine Kettler und Eva-Maria Stuckel. Ebenfalls lokalhistorisch geprägt ist die Arbeit über „Lavater in Barth“ (2009).
Wer meine Reise auf den Spuren von William Butler Yeats in Irland und zu anderen Orten der europäischen Geschichte nachvollziehen möchte, kann dies mit Hilfe der Reiseführer „Billig reisen mit Ryanair, Germanwings & Co.“ (2003), gemeinsam geschrieben mit Mario Herrmann und „Billig reisen mit dem Billigflieger ROM - Ein Reiseführer durch Antike, Romantik und Faschismus“ (2006), gemeinsam verfasst mit Eva-Maria Stuckel.
2008 erschien „Der Freimaurergarten. Die geheimen Gärten der Freimaurer des 18. Jahrhunderts.“ Esoterik in der Gartenarchitektur - für mich ein ganz neues und ausgesprochen spannendes Thema.
Den Bogen in die Gegenwart (und Zukunft) schlägt „Gnosis in High Tech und Science-Fiction“ (2009).
Andere Projekte
Mein letztes Web-Projekt war die Online-Publikation einer von mir in Bundesarchiv-Beständen entdeckten, bislang unbekannten „Teil-Bibliographie des H-Sonderauftrages des Reichsführers SS Heinrich Himmler“ des Hexen-Sonderauftrages Himmlers.
Ideengeschichte